[Penetrating Keratoplasty – Impact of Preoperative Determinants on Postoperative Treatment Strategies]
Sieh auch www.kornea.org
Eingeladenes Referat anläßlich
des 14. Kongresses der Deutschen Ophthalmochirurgen (DOC), Seminar: Perioperative
Betreuung (17.-20.05.2001, Nürnberg)
Zusammenfassung:
1.
Hintergrund und Zielsetzung:Die Ätiologie
der Hornhauterkrankung und die aktuelle Indikation zur perforierenden Keratoplastik
(PK) geben neben zugrundeliegenden oder begleitenden Allgemeinerkrankungen
prinzipielle Hinweise auf die zu erwartenden Komplikationen und geeigneten Therapiemodulationen.
Unser Ziel ist die Darstellung der Variation diagnostischer und therapeutischer
Keratoplastik-Nachsorge in Abhängigkeit von der Operationsindikation und der
intra- bzw. postoperativen Besonderheiten.
2.
Präoperative Planung und Indikationsstellung: Anhand des immunologischen Risikoprofils (³ 2 Quadranten Vaskularisation oder Re-PK = Hochrisiko)
wird entschieden ob eine Gewebetypisierung vorgenommen wird und/oder ob die
Notwendigkeit adjuvanter lokaker/systemischer Immunsuppression (z.B. Cyclosporin
A, Mycophenolat-Mofetil) besteht. Bei herpetischen Narben kann eine Vorbehandlung
mit lokalem/systemischem Acyclovir sinnvoll sein. Dermatologische Grunderkrankungen
(Neurodermitis oder Rosazea), Alkoholabusus, Lebererkrankungen und Diabetes
mellitus lassen ebenso wie alle Erkrankungen, die mit einer Limbusstammzellinsuffizienz
einhergehen (Aniridie, Verätzung, Fuchs-Stevens-Johnson-Syndrom) Oberflächenprobleme
erwarten. Die Korrektur von Lidfehlstellungen (z.B. Entropium mit Trichiasis)
muß vor der PK erfolgen. Die primär chronische Polyarthritis (pcP) neigt neben
Oberflächenproblemen auch zu areaktiven Einschmelzungen am Transplantatrand.
Hier sollte die prophylaktische Insertion von Punctum plugs oder Tränenpünktchenverödung
erwogen werden. Die Planung des Transplantatdurchmessers, der Überdimensionierung
und der Nahttechnik werden von diesen Überlegungen entscheidend beeinflußt.
Für die Nicht-Hochrisiko-PK wird die Transplantatgröße („so groß wie möglich
- so klein wie nötig“) der Hornhautgröße angepaßt (Keratokonus > Fuchssche
Dystrophie). Eine PK bei nicht reguliertem Augeninnendruck ist abzulehnen,
wobei die Validität der indirekten Methoden zweifelhaft ist. Bei Unklarheiten
kann die direkte intrakamerale Nadeldruckmessung therapeutisch wegweisend
sein. Die ausführliche Aufklärung des Patienten über das Operationsrisiko,
den langsamen Visusanstieg und die Details und möglichen Komplikationen bei
der Keratoplastik-Nachsorge über Jahre ist ureigenste Aufgabe des Operateurs
zur Sicherung der Patienten-Compliance und des Operationserfolges.
3. Intraoperative
Details: Die nichtmechanische Excimerlasertrepanation
erlaubt eine kontaktfreie Trepanation auch am „offenen Auge“ und erleichtert
entscheidend den wasserdichten Wundverschluß durch kongruente Schnittkanten
zwischen Empfänger und Spender sowie die 360° symmetrische spannungsfreie
Einpassung des kreisrunden Transplantates in das kreisrunde Bett unter Verwendung
der „Erlanger Orientierungszähnchen“. Die bessere Zentrierung hat auch immunologische
Bedeutung. Bei allen Erkrankungen, die mit Defekten der Bowmanschen Lamelle
einhergehen (z.B. vaskularisierte Narben) oder die zu Einschmelzung neigen
(z.B. pcP) werden Einzelknüpfnähte verwendet, ansonsten die doppelt gleichläufige
Naht nach Hoffmann. Routinemäßig werden alle Knoten im Stroma versenkt. Tief
lamelläre Stiche sind anzustreben. Zur Vermeidung eines perioperativen akuten
Pupillarblockwinkelblocks mit persistierender Mydriasis empfehlen wir eine
periphere Iridotomie. Bei ausgeprägter Vis à tergo oder einer PK à chaud bei
„offenem Auge“ ist auf die Vermeidung peripherer vorderer Synechien zu achten.
Eine Druckentlastung via pars plana kann hier hilfreich sein. Maximale Relaxation
und tiefer Blutdruck bei Intubationsnarkose bieten sich besonders bei jüngeren
Patienten an. Intraoperativ wird die systemische Applikation von Antibiotika
(3 Tage), Steroiden (2 Wochen), Azetazolamid (3 Tage) und ggf. Acyclovir (6
Wochen) begonnen.
4.
Postoperative Nachsorge: Wir entlassen die Patienten
möglichst mit Seitenschutzbrille. Der nachbehandelnde Augenarzt sollte den
Patienten im ersten Monat mindestens zwei Mal pro Woche sehen. Die Nachsorge
der Klinik sollte in einer spezialisierten „Hornhaut/Keratoplastik-Sprechstunde“
mindestens vierteljährlich bis zur Entfernung der letzten Fäden erfolgen,
anschließend können die Intervalle auf 6 bis 12 Monate verlängert werden.
Standardbestandteile in der PK-Nachsorge sind (1) Anamnese (Welche Medikation?
Schmerzen? Rotes Auge? Visusminderung unter zuvor erreichtes Niveau? Schleiersehen?)
(2) Spaltlampenbiomikroskopie mit Fluorescein/Blaulicht (Faden fest? Vorderkammer
tief und reizfrei? Leckage? Stroma-/Epithelödem? Vordere/hintere Synechien?
Erosio? Infiltrat? Retrokorneale Präzipitate?) (3) Subjektive/objektive Refraktometrie
(4) sc-/cc-Visus (5) Keratometrie (6) Topographieanalyse (7) Endothelzellanalyse
(quantitativ und qualitativ) (8) Pachymetrie (9) Laser-Tyndallometrie (10)
Tensionsanalyse (evtl. verschiedene Methoden wegen unklarer Validität) (11)
Fundusskopie (Glaukomatöser Papillenschaden? Zystoides Makulaödem?) (12) Gonioskopie
(wenigstens einmal postoperativ). Unser lokales Routine-Therapieschema („Erlanger
Nicht-Hochrisiko-Keratoplastik-Studie“) besteht aus: Atropin AS, Ofloxacin
AS, Gele für 5 Tage; nach Epithelschluß: Prednisolonacetat 1% (5x) ausschleichend
über 6 Monate (bei ahaken/pseuophaken Augen evtl. 1 Tropfen pro Tag „lebenslänglich“),
Scopolamin AT (2x) bis Auge reizfrei, pflegende Gele/Gleitmittel (5x). Bei
Herpes addieren wir Acyclovir AS in der Dosierung der Steroide, wobei avaskuläre
Narben (mehr HSV-Ag!) tendentiell mehr Acyclovir, vaskularisierte Narben mehr
Steroide verlangen. Eine Langzeittherapie von Acyclovir AS 1x zur Nacht ist
zu erwägen. Transplantatreaktionen (DD: Herpesrezidiv) werden stets kombiniert
behandelt. Den ersten Teil der Fäden entfernen wir nach einem Jahr den Rest
nach 1½ Jahren. Frühere Fadenentfernungen erfolgen bei lockerem Faden, Infiltrat,
progressiver Neovaskularisation entlang eines Fadens, jedoch nicht zwangsläufig
bei subepithelialer Fibrose oder intraepithelialer Pseudozystenbildung an
den proximalen Fadenenden. Aufgrund der nichtmechnischen Lasertrepanation
haben wir weniger Angst vor Astigmatismus-Anstiegen nach Fadenentfernung.
Dennoch lassen wir bei Astigmatismus <3 Dioptrien, gutem Visus und guter
Compliance des Patienten den Faden eher länger liegen. Vier Wochen vor Fadenentfernung
setzen wir die Steroide ab, nach Epithelschluß setzen wir ausschleichend über
6 Wochen Steroide wieder an, um Immunreaktionen vorzubeugen. Von der Stabilität
einer günstigen Topographie nach längerer Verweildauer der Fäden kann nicht
ausgegangen werden. Postoperative Druckanstiege müssen aggressiv medikamentös
oder bevorzugt mit zyklodestruktiven Methoden (z.B. Zyklophotokoagulation)
behandelt werden. Bei pseudophaken Augen ist Carbachol nach wie vor ein effektives
drucksenkendes Agens. Zur Therapie persistierender „Oberflächenprobleme“ bietet
sich neben unkonservierten künstlichen Tränen und pflegenden Gelen oder Salben
(mit/ohne Druckverband; mit/ohne zusätzlicher lokaler Kühlung oder Erwärmung),
Vitamin A und Hyaluronsäure auch die Applikation von Eigenserum-Tropfen an.
Bei der lokalen antibiotischen Abdeckung wird darauf geachtet, daß die Epitheltoxizität
minimal ist (Fluoroquinolone statt Amnioglycoside!). Bei persistierendem Ulkus
kann die ein- oder mehrlagige Amnionmembrantransplantation, eine temporäre
(laterale) Tarsorrhaphie oder die Botuliumtoxin-Injektion zur temporären Induktion
einer Ptosis (= “körpereigener Verband“) indiziert sein. Bei primärer Transplantatinsuffizienz
sollte ein früher Transplantataustausch angestrebt werden. Bei Rezidiv einer
stromalen Dystrophie (bes. granuläre) auf dem Transplantat stellt die wiederholbare
Excimerlaser-PTK die Option der Wahl dar, mit der heute topographiegestützt
gleichzeitig Astigmatismus und Ametropie mitbehandelt werden können.
5. Schlußfolgerungen:
Neben der situationsgerechten Indikationsstellung und präoperativen Planung,
der kritischem Auswahl des Spendergewebes und der minimal invasiven mikrochirurgischen
Technik spielt für den langfristigen Erfolg der Keratoplastik die indikationsabhängige
engmaschige Nachsorge eine wesentliche Rolle. Hierbei kommt der wiederholten
eindrücklichen Sensibilisierung des Patienten gegenüber alarmierenden subjektiven
Symptomen und der aufgeklärten Einbindung des nachbehandelnden niedergelassenen
Augenarztes entscheidende Bedeutung zu.
Sehr
geehrter Herr Prof. Duncker,
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Dia 1:


Von einer erfolgreichen Katarakt-Operation
profitiert der Patient in der Regel ohne größere Nachsorge sein restliches
Leben lang. Das amerikanische Motto „treat them and street them“ kann nach
perforierender Keratoplastik (PK) zu deletären Folgen für das Transplantat
führen.
Dia 2:


Wir sind der festen Überzeugung, daß
(1) die Ätiologie der Hornhauterkrankung, (2) die aktuelle Indikation zur
Keratoplastik und (3) nicht zuletzt die zugrunde liegenden oder begleitenden
Allgemeinerkrankungen wesentliche Determinanten für die zu erwartenden Komplikationen,
aber auch für die notwendigen Therapiemodulationen nach PK darstellen. Rechts
sehen Sie schematisch das Spektrum der möglichen Lokalisationen einer PK:
gelb die zentrale optische Keratoplastik, links unten die tektonische Korneoskleralplastik
im Gefolge einer Blockexzision. Rechts sehen Sie die exzentrische semilunäre
Keratoplastik, z. B. bei Fuchs-Terrien‘scher marginaler Degeneration und oben
violett schematisch die exzentrische perforierende Mini-Keratoplastik, z.
B. bei einem perforierten rheumatischen Ulcus.
Dia 3:


Das Ziel dieses Referats ist die Darstellung
der Variationsmöglichkeiten und –notwendigkeiten diagnostischer und therapeutischer
Keratoplastiknachsorge in Abhängigkeit von prä-, intra- und postoperativen
Besonderheiten. Rechts sehen Sie eine zentrale optische Keratoplastik bei
Keratokonus mit doppelt fortlaufender Naht, wie sie heute bei uns für die
Nicht-Hochrisiko-Keratoplastik Standard ist.
Dia 4:


Bei jedem potentiellen Keratoplastik-Kandidaten
muß präoperativ zunächst die Frage geklärt werden, ob überhaupt eine
Kornea-Transplantation durchgeführt werden soll. Links sehen Sie das Bild
eines akuten Keratokonus, der bekanntlich durch Ruptur der Descemet‘schen
Membran zustande kommt. Hier halten wir die Keratoplastik im Akutstadium für
kontraindiziert, da es routinemäßig zu Fadenlockerungen in dem ödematösen
Wirtsstroma kommt. Wir behandeln derartige Patienten mit osmotisch wirksamer
und pflegender Lokaltherapie und warten die Vernarbung der Hornhaut ab, bevor
wir ca. ein halbes Jahr später im reizfreien Intervall die PK durchführen.
Rechts sehen Sie in einem alten histologischen Schnitt die oberflächlichen
hyalinen Einlagerungen bei einer granulären Dystrophie in der Masson-Färbung.
Auch hier wäre heute eine PK nicht indiziert, sondern es bietet sich eine
phototherapeutische Keratektomie mit dem Excimer-Laser (o-PTK) zur „ersatzlosen“
Entfernung der oberflächlichen Trübungen an.
Dia 5:

Hier ein weiterer Patient mit einer
granulären Dystrophie. Links vorher, rechts drei Monate nach einer o-PTK.
Der Visus ist von 0,2 auf 0,8 angestiegen.
Dia 6:


Zu den systemischen Grunderkrankungen,
welche die Prognose einer Keratoplastik deutlich reduzieren, insbesondere
aufgrund der zu erwartenden Oberflächenprobleme, gehören die Neurodermitis,
die Rosacea, die rechts dargestellte primär chronische Polyarthritis, aber
auch Alkoholabusus, Lebererkrankungen (z.B. Hepatitis C) und bis zu einem
gewissen Grade auch der Diabetes mellitus. Bei dem Befund rechts würde man
tunlichst eine Kornea-Transplantation zu vermeiden versuchen, so lange das
Auge nicht perforiert ist.
Dia 7:

Sehr geringe Aussichten auf Erfolg
haben stromale korneale Trübungen auf dem Boden einer Limbusstammzellinsuffizienz,
wie etwa bei Aniridie, Verätzung, Fuchs-Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom
oder dem okulären Pemphigoid. Selbst unter maximalem chirurgischen und medikamentösen
Einsatz ist die Prognose derartiger Transplantate extrem ungünstig. Neuere
Ansätze, wie die Limbustransplantation oder die Transplantation von ex
vivo auf Amnionmembran expandierter „Stammzellen“ können derzeit noch
nicht abschließend beurteilt werden. Aus diesem Grunde muß die individuelle
Notwendigkeit jeder einzelnen Keratoplastik in derartig schwierigen Situationen
unter Einbeziehung des aufgeklärten Patienten vorher genau abgewogen
werden.
Dia 8:

Kommt man zu dem Entschluß, eine PK
durchführen zu wollen, so gehört zur präoperativen Planung die Frage der Notwendigkeit
einer HLA-Typisierung und/oder einer adjuvanten Immunsuppression. Bei Hoch-Risiko-Keratoplastik,
also mehr als 2 Quadranten-Vaskularisation oder vorherige immunologische Transplantatreaktion
mit Transplantatversagen, entscheiden wir uns in der Regel sowohl für HLA-Typisierung
als auch Immunsuppression, derzeit noch in der Regel mit Cyclosporin-A. Die
Patientenaufklärung durch den Operateur, und nicht durch den jüngsten Assistenten
am Tag vor der Keratoplastik ist entscheidend für die Sicherung der
Patienten-Compliance und letztlich für den Operationserfolg. Das Operationsrisiko
bis hin zum Verlust des Auges durch eine expulsive Blutung muß im Detail dargestellt
werden. Der Patient muß wissen, daß der Visusanstieg oft langsam erfolgt.
Er muß wissen, daß Transplantatreaktionen auch noch nach Jahren auftreten
können. Er muß wissen, daß er Fäden im Auge hat, die sich lockern können und
mit entsprechenden Konsequenzen bis hin zur Durchwanderungsendophthalmitis
einhergehen können. Er muß wissen, daß ein Transplantat in den ersten Monaten
und Jahren keine oder eine stark reduzierte Sensibilität hat, so daß sich
eine Brille mit anatomischem Seitenschutz anbietet. Außerdem muß er wissen,
welche Funktion das Epithel als schützende Deckschicht hat und welche Konsequenzen
aus einer Erosion auf dem Transplantat aufgrund mangelnder „Pflege“ resultieren
können.
Dia 9:


Liderkrankungen müssen vor der
Keratoplastik medikamentös und/oder operativ saniert werden.
Dia 10:


Es verbietet sich eine Keratoplastik
bei nicht reguliertem Augeninnendruck.
Hierbei ist zu bedenken, daß die Validität der indirekten Goldmann-Applanationstonometrie
zweifelhaft ist. Insbesondere konnte durch die intrakamerale Nadeldruckmessung
der Düsseldorfer Arbeitsgruppe gezeigt werden, daß der Druck bei bullöser
Keratopathie in der Regel deutlich höher liegt als indirekt applanatorisch
gemessen. Bei einem Druck von 20 mm Hg applanatorisch mit zwei drucksenkenden
antiglaukomatösen Medikamenten ist eine PK nicht sinnvoll, weil der wahre
Druck eher zwischen 25 und 35 mm Hg liegen dürfte, so daß das Transplantatendothel
zwangsläufig Schaden nehmen würde.
Dia 11:


Die pseudophake bullöse Keratopathie
bietet jedoch noch neben der Fehlbestimmung des intraokularen Druckes einige
bemerkenswerten Besonderheiten. Bei mäßiggradig klaren Medien halten wir eine
YAG-Kapsulotomie vor der Keratoplastik nicht für sinnvoll, da sie die Gefahr
intraoperativer Glaskörperkomplikationen erhöht. Wir wissen aus Studien der
eigenen Arbeitsgruppe, das auch Augen mit pseudophaker bullöser Keratopathie
und stabiler Hinterkammerlinse postoperativ eher zu Druckanstiegen neigen,
so daß hier postoperativ intensivierte Druckkontrollen erfolgen sollten. Der
Patient muß wissen, daß die Visusergebnisse eingeschränkt sind. Es liegt nicht
nur an der häufig koinzidenten zystoiden Makulopathie, sondern auch an der,
wie wir zeigen konnten, mehr irregulären Hornhaut-Topographie bei tendentiell
kleinerem Transplantat.
Dia 12:

Ganz entscheidend ist die Bestimmung
der optimalen Transplantatgröße, die individuell vor der Spendertrepanation,
am besten an einer Spaltlampe mit Meßvorrichtungen am Tag vor der Operation
festgelegt werden sollte. Das Transplantat sollte so groß wie möglich sein
aus optischen Erwägungen, jedoch so klein wie möglich aus immunologischen
Erwägungen. Wir konnten zeigen, daß die Augen mit Keratokonus signifikant
größere Hornhäute haben als Augen mit Fuchsscher Dystrophie. Der Unterschied
im horizontalen Durchmesser beträgt hierbei im Mittel 0,7 mm.
Dia 13:


In diesen Graphiken ist der horizontale
Hornhautdurchmesser gegen das Patientenalter bei verschiedenen Hornhautdystrophien
aufgetragen. Sie sehen links die großen Hornhautdurchmesser bei granulärer
und gittriger Dystrophie sowie bei Keratokonus, rechts Mitte die mittelgroßen
Hornhautdurchmesser bei makulärer Dystrophie, die sich nicht signifikant von
denen der Normalbevölkerung unterscheiden, und rechts außen die vornehmlich
bei alten Patienten gemessenen kleinen Hornhautdurchmesser bei der Fuchsschen
Dystrophie.
Dia 14:


Links eine sehr große Hornhaut bei
Keratokonus, in der ein 8,0 mm-Transplantat sehr klein erscheint. Dagegen
rechts die signifikant kleinere und signifikant mehr elliptische Hornhaut
bei Fuchsscher Dystrophie. Hier findet ein 7,5 mm-Transplantat sehr gut Platz.
Soweit zu den präoperativen Planungen
der Keratoplastik, die für die postoperative Nachsorge entscheidende Bedeutung
haben.
Dia 15:


Nun
zu den intraoperativen Details mit Konsequenz für die postoperative
Nachsorge:
Sie alle wissen, daß wir in Erlangen
die nichtmechanische Trepanation mit dem 193 nm Excimerlaser bei nicht vaskularisierten
Hornhäuten routinemäßig seit 1989 durchführen. Hierzu wird ein fleckförmiger
Laserstrahl beim Spender am äußeren Rand einer Metallmaske, die direkt dem
Korneoskleralscheibchen in einer künstlichen Vorderkammer aufliegt, entlang
geführt. Beim Patienten wird eine korrespondierende Metallmaske direkt auf
die kranke Hornhaut aufgelegt, und der Laserstrahl an der Innenseite entlang
geführt bis zur Perforation. Rechts sehen Sie eine 8,0 mm Empfängermaske mit
8 Orientierungskerben auf einer Keratokonus-Hornhaut.
Dia 16:


Links sehen Sie im histologischen Schnitt
die annähernd glatten Schnittkanten ohne wesentliche thermische Effekte und
rechts das makroskopische Bild eines Spenderscheibchens unmittelbar vor der
Perforation mit senkrechten Schnittkanten und den sog. „Erlanger Orientierungszähnchen“.
Dia 17:

Seit
mehr als 10 Jahren haben wir in Erlangen insgesamt mehr als 1000 nichtmechanische
Trepanationen bei Patienten erfolgreich durchgeführt. Die Indikationsliste
führt eindeutig der Keratokonus an, gefolgt von der Fuchsschen Dystrophie
und den bullösen Keratopathien. Gerade die jungen Patienten mit Keratokonus,
die meistens voll im Beruf stehen, wollen nicht nur ein klares Transplantat,
sondern sie wollen auch gut damit sehen. Die nichtmechanische Trepanation
stellt eine entscheidende Determinante für einen guten postoperativen Visus
dar.
Wir konnten in einer großen randomisierten
Studie an 179 Augen zeigen, daß bei Lasertrepanation der Astigmatismus nach
Fadenentfernung signifikant niedriger ist, daß die Regularität der Topographie
signifikant besser ist und damit die Patienten im Mittel um 2 Dezimalzeilen
besser sehen. Darüber hinaus, und das wird wohl in Zukunft immer wichtiger
werden, bietet die Laser-Trepanation Vorteile bei instabiler Kornea. Sei es
nun das offene Auge, z. B. bei einem perforierten rheumatischen oder herpetischen
Ulcus, oder die instabile Kornea nach radialer Keratotomie oder bei progressiver
iatrogener Keratektasie nach Laser-in-situ-Keratomileusis. Nach LASIK will
man nicht auf dem relativ instabilen Lentikel mit einem mechanischen Trepanan
drücken und quetschen und damit unterschiedliche Durchmesser bei Lentikel
und stromalem Bett schneiden.
Dia 18:

Routinemäßig führen wir die doppelt
fortlaufende Kreuzstichnaht durch, die 1976 von Prof. Hofmann aus Berlin erstmals
beschrieben wurde. Wir versenken alle Knoten im Stroma, um keine Vaskularisation
zu attrahieren, und wir bemühen uns um eine tief-lamelläre Stichweise (Stichwort:
„Wave of Descemet“ vor der Nadelspitze). Bei allen Augen mit Defekten der
Bowman’schen Lamelle (rechts dargestellt vaskularisierte Narben nach Verätzung)
oder mit Einschmelzungsgefahr des Transplantates, wie etwa bei der primär
chronischen Polyarthritis, verwenden wir jedoch Einzelknüpfnähte. Diese können
bei Lockerung ohne Gefahr für den Transplantatsitz entfernt werden.
Dia 19:

Bei Patienten mit Keratokonus wird
in der Literatur bei perioperativer topischer Gabe von Atropin die Gefahr
eines sog. Urrets-Zavalia-Syndroms hervorgehoben, wie links zu erkennen ist.
Wir sind der Überzeugung, daß es sich hierbei kausal um eine perioperative
Pupillarblock-Winkelblock-Situation mit Irissphinkternekrose handelt, die
zu der persistierend weiten Pupille führt. Aus diesem Grund legen wir routinemäßig
bei allen Keratoplastiken eine periphere Iridotomie an, wie rechts zu sehen.
Dia 20:

Entscheidend für die postoperative
Nachsorge ist auch die Zentrierung. Links sehen sie eine optimale Empfängerzentrierung
sowohl anhand der Pupille als auch anhand des Limbus. Sie erkennen noch die
„Erlanger Orientierungszähnchen“. Rechts sehen Sie eine optimale Spenderzentrierung,
dargestellt anhand eines korneoskleralen Restringes.
Dia 21:

Die Bedeutung der Zentrierung liegt
nicht nur in der Reduktion des Astigmatismus, in der Erhöhung der Regularität
der Topographie, sondern hat auch immunologische Bedeutung. Rechts zeigen
wir Ihnen ein katastrophal vernachlässigtes Auge, wie wir es heute glücklicherweise
nur sehr selten sehen müssen. Das Transplantat ist grob dezentriert. Es besteht
seit längerer Zeit eine ausgeprägte Fadenlockerung mit konsekutiver Vaskularisation,
Infiltraten und einer akut-diffusen immunologischen Transplantatreaktion.
Bei diesem Patienten wurden wichtige Grundregeln der postoperativen
Keratoplastiknachsorge mißachtet, auf die wir im Folgenden detailliert eingehen
wollen.
Dia 22:

Eine „Standardnachsorge“ halten wir
für ausreichend bei Patienten mit Keratokonus, Fuchsscher Dystrophie, stromalen
Dystrophien, wobei auf die Problematik der Rezidive noch eingegangen wird,
bei nicht-herpetischen avaskulären Narben, aber auch bei der Triple-Prozedur.
Rechts sehen Sie ein Auge nach Triple-Procedure, wobei der Flächenschwerpunkt
der Kapsulorrhexis mit dem Flächenschwerpunkt von Transplantat, Limbus und
Pupille koinzidiert, was einer optimalen intraoperativen Situation gleichkommt.
Dia 23:

Unsere postoperative Standard-Therapie
besteht aus Mydriatica bis das Auge reizfrei ist, Antibiotika für ca. eine
Woche. Wir bevorzugen hier die Ofloxacin AS, weil sie weniger epitheltoxisch
ist als Aminoglycoside. Prednisolon-Acetat-AT 5x/die ausschleichend über 6
bis 12 Monate. Gleitmittel empfehlen wir dauerhaft bei Bedarf. Ich persönlich
verabreiche systemisch Steroide absteigend für eine Woche. Die postoperativen
Kontrollen durch den Augenarzt sollten im ersten Monat zwei- bis dreimal pro
Woche erfolgen, etwa einmal pro Woche für die nächsten zwei Monate, zweimal
pro Monat für sechs Monate und für die nächsten drei Jahre erscheint die einmalige
Kontrolle pro Monat nicht abwegig zu sein.
Dia 24:

In unserer Hornhaut-Sprechstunde sehen
wir die Patienten nach drei Wochen, drei Monaten und anschließend vierteljährlich
bis zur Entfernung des ersten Fadens, dann halbjährlich und nach Entfernung
des zweiten Fadens jährlich. Eine Ausnahme von dieser Regel mit öfteren Kontrollen
würden wir beispielsweise bei einer intendiert exzentrischen elliptischen
Keratoplastik mit Einzelknüpfnähten bei einem Keratotorus machen – wie rechts
dargestellt.
Dia 25:

Bei primärer Transplantatinsuffizienz
streben wir einen frühen Transplantataustausch möglichst bereits nach
sechs Wochen an.

Was
sind nun die Standardbestandteile der Diagnostik im Rahmen der Nachsorge
bei der perforierenden Keratoplastik?
(1)
Ganz entscheidend ist die Anamnese. Welche Medikamente werden eingenommen
und zwar genau: welche Konzentration, welche Dosierung. Fällt dem Patienten
Schleiersehen und Schmerzen auf, hat(-te) er ein „rotes Auge“ oder gibt er
eine Visusminderung an.
(2) Entscheidend ist die Spaltlampenbiomikroskopie
mit Fluoreszein und Blaulicht. Ist der Faden fest? Ist es zu einer Leckage
gekommen? Sieht man retrokorneale Präzipitate, die zusammen mit einem Vorderkammerreizzustand
auf eine immunologische Transplantatreaktion schließen lassen? Zeigt das Transplantat
oder der Wirt Erosionen oder Infiltrate?
Dia 27:

In jedem Fall ist eine subjektive -
möglichst begleitet von einer objektiven - Refraktometrie nötig? Es sollte
stets der sc- und der cc-Visus dokumentiert werden. In jedem Fall sollte
in gewissen Abständen eine Keratometrie erfolgen und bei uns in der Klinik
die Topographieanalyse.
Dia 28:

Obwohl wir wissen, daß die Goldmann-Applanationstonometrie
nicht ganz valide ist, sollten dennoch regelmäßige Tensionskontrollen erfolgen.
Bei Unsicherheit könnten evtl. mehrere Verfahren zur Anwendung kommen. Auch
die Palpation im Seitenvergleich kann hilfreich sein. Bei der Fundusskopie
sollte auf den glaukomatösen Papillenschaden und das zystoide Makulaödem geachtet
werden. Mindestens einmal postoperativ, aber erst ab dem 3. Monat sollte eine
Gonioskopie erfolgen, um sicherzustellen, daß keine peripheren vorderen Synechien
bestehen.
Dia 29:

In der Klinik führen wir routinemäßig
eine Endothelzellanalyse, eine Pachymetrie sowie eine Laser-Tyndallometrie
durch, um eine drohende Transplantatreaktion frühzeitig zu erkennen oder bei
bestehender Transplantatreaktion die lokalen Steroide anhand der Tyndallometriewerte
„titrieren“ zu können. Soweit zur Standardnachsorge.
Dia 30:

Welche
Keratoplastiken bedürfen nun einer modifizierten Nachsorge?
Dazu gehören im jeden Fall die herpetischen
Narben, vaskularisierten Narben, Limbusstammzellinsuffizienz, bullöse Keratopatie
(hier ist vor allem auf den Druck zu achten), sowie primär chronische Polyarthritis
und Neurodermitis als Allgemeinerkrankungen. Natürlich gehören dazu auch die
Keratoplastik à chaud und die Re-Keratoplastiken. Rechts sehen Sie eine gering
vaskularisierte herpetische Hornhautnarbe.
Dia 31:

Was
ist beim „Herpes corneae“ zu beachten?
Wir behandeln lokal und systemisch
mit Aciclovir vor und verabreichen postoperativ Aciclovir systemisch 5x400
mg für mindestens sechs Wochen. Anschließend ist die Weiterführung dieser
Therapie mit 2x40 0 mg über viele Monate zu erwägen. Prinzipiell verabreichen
wir lokal Aciclovir-AS in der Dosierung der Steroide, wobei zu bedenken ist,
daß nach einer Studie zusammen mit Herrn Prof. Holbach in unserem Hause die
avaskulären Narben mehr Herpes simplex Strukturantigene beinhalten und dadurch
mehr Aciclovir brauchen. Dagegen beinhalten vaskularisierte Narben weniger
Herpes-Antigene und brauchen damit eher mehr Steroide, um das Risiko der immunologischen
Transplantatreaktion zu reduzieren. Auf keinen Fall sollten nach Keratoplastik
Steroide ohne Aciclovir-Schutz verabreicht werden. Möglicherweise ist eine
Langzeit-Therapie von Aciclovir AS 1x pro Nacht zu erwägen. Bei Transplantatreaktionen
behandeln wir stets kombiniert mit Aciclovir und Steroiden, weil im klinischen
Alltag selten genau zu entscheiden ist, ob es sich um ein Herpesrezidiv oder
um eine Transplantatreaktion handelt. Im ersten Fall würden die Präzipitate
auf Spender- und Empfänger-Endothel liegen, beim zweiten Fall wären
die Präzipitate definitionsgemäß auf das Transplantat beschränkt.

Das Rezidiv der herpetischen Keratitis
auf dem Transplantat kann sich in ähnlicher Weise äußern wie die Primärerkrankung,
nämlich als epitheliale Keratitis dendritica oder - rechts zu sehen - als
disziforme Keratitis (i.e. Endotheliitis mit fokalem Stromaödem) oder als
ulzerierende nekrotisierende stromale Keratitis.

Abweichungen von der Standardnachsorge
sind sicherlich auch bei der Neurodermitis erforderlich. Insbesondere Oberflächenprobleme,
korneale Neovaskularisationen und immunologische Transplantatreaktionen sind
hier gehäuft zu erwarten. Unabdingbar ist hierbei eine ausreichende Lidrandpflege
sowie reichlich unkonservierte künstliche Tränen und Gele. Einen Patienten,
wie rechts dargestellt, würden wir nicht mit einer Keratoplastik versorgen
ohne begleitende systemische Gabe von Cyclosporin A unter internistischer
Mitbetreuung.
Dia 34:

Ein sehr großes Problem bezüglich der
Nachsorge stellt die primär-chronische Polyarthritis dar. Auch hier treten
regelmäßig Oberflächenprobleme auf. Areaktive Einschmelzungen am Transplantatrand,
wie Sie rechts zu sehen, können zur Perforation, zum Ablaufen der Vorderkammer
und – wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird – zur Epithelinvasion und damit
letztlich zum Verlust des Auges führen. Temporär können Punctum plugs neben
reichlich benetzender Therapie oder - und das führen wir häufig durch - eine
Tränenpünktchenverödung hilfreich sein. Nichtsdestoweniger ist bei allen Patienten
mit primär chronischer Polyarthritis die systemische Basistherapie obligat
vor und begleitend zu jeder perforierenden Keratoplastik.

Was
sind unsere Prinzipien für die Fadenentfernung nach Keratoplastik?
Bei der doppelt fortlaufenden Naht
führen wir routinemäßig eine sequentielle Fadenentfernung durch. Vier Wochen
vor Fadenentfernung setzen wir in der Regel die lokalen Steroide ab und setzen
diese nach Epithelschluß ausschleichend über sechs Wochen wieder an. Bekannt
ist, daß jede Fadenentfernung Stimulus einer Immunreaktion sein kann. In der
Regel entfernen wir den ersten Faden nach einem Jahr und den zweiten Faden
nach eineinhalb Jahren. Bei zu früher Fadenentfernungen sieht man insbesondere
bei älteren Patienten mit bullöser Keratopathie doch gelegentlich eine Instabilität
im Spender-/Empfänger-Grenzring mit Stufenbildung. Bei einem keratometrischen
Astigmatismus unter 3,0 Dioptrien, einem gutem Visus und einer guten Compliance
des Patienten können die Fäden unter Umständen auch länger belassen werden.
Man kann jedoch nicht davon ausgehen, daß eine günstige Topographie nach einer
längeren Verweildauer der Fäden stabil bliebe, wenn dann letztlich der Faden
doch entfernt wird.

Auf dem linken Bild erkennen Sie eine
Stufe nach zu früher Fadenentfernung, die einer sofortigen Revision mit Fadennachlegung
bedarf. Auf der rechten Seite das Bild einer Stufenbildung nach einem Trauma
mit Fadenruptur.

Von dem dargestellten Schema der sequentiellen
Fadenentfernung weichen wir nur ab, wenn ein Faden locker ist, wenn sich eine
progressive Vaskularisation entlang des Fadens gebildet hat, natürlich bei
Fadeninfiltraten oder gelegentlich auch bei hohem und/oder irregulärem Astigmatismus.
Rechts sehen Sie einen lockeren Faden, der sofort entfernt werden sollte.

Auf dem Bild links sehen Sie das Durchschneiden
eines Fadens, der offenbar zu weit am Limbus zu Liegen kam bei einem für diese
Hornhaut zu großem Transplantatdurchmesser und einer deutlichen Vaskularisation.
Rechts fällt eine Neovaskularisation auf, die sich entlang des Fadens nach
zentral vorschiebt.

Hier sehen Sie ein Fadeninfiltrat entlang
von Einzelknüpfnähten und rechts intraepitheliale Pseudozystenbildung an den
zentralen Fadenenden. Letztere bedürfen keiner vorgezogenen Fadenentfernung.

Ebenso bedarf diese subepitheliale
Fibrose am Rande des Transplantates keiner früheren Fadenentfernung. Auf der
rechten Seite handelt es sich um einen partiell transplantierten Arcus lipoides
bei wahrscheinlich exzentrischer Spendertrepanation.

Ein weiterer Aspekt der Keratoplastiknachsorge,
der bereits bei der Operationsplanung Berücksichtigung finden sollte, ist
die vorbestehende bzw. postoperativ progressive Linsentrübung. Gesicherte
Ursachen für die Linsentrübung nach Keratoplastik sind ein hohes Alter und
das weibliche Geschlecht. Die Operationstechnik mag eine Rolle spielen. Bekanntermaßen
nimmt die Kerntrübung nach Keratoplastik wegen Fuchsscher Dystrophie zum Teil
rapide zu. Ein bekannter Risikofaktor für die Cataract subcapsularis posterior
complicata ist eine verlängerte postoperative Steroid-Applikation. Jede Katarakt-Operation
nach Keratoplastik bringt einen weiteren Verlust von Transplantatendothel
mit sich. Eine geeignete Wahl des Zugangsweges kann jedoch den kornealen Astigmatismus
reduzieren. Wir haben den Eindruck, daß die Kunstlinsenberechnung auch nach
Keratoplastik ungenau ist. Möglicherweise spielt hier analog den Verhältnissen
nach refraktiver Hornhautchirurgie die Abweichung des Verhältnisses von Hornhautvorder-
und Hornhautrückflächenkrümmung und damit die Abweichung von den Normwerten
des Gullstrandschen Modellauges eine Rolle. Nachdem die Fadenentfernung in
der Regel eine Änderung der Hornhautkrümmung mit sich bringt, sollte die Keratometrie
für die Kunstlinsenberechnung der Katarakt-Operation möglichst nach
Entfernung aller Fäden erfolgen.

Bei postoperativ erhöht gemessenem
Augendruck ist zunächst immer mit von einer Steroid-Respons auszugehen. Bekanntlich
fallen 20% bis 30% der Bevölkerung in die Gruppe der Steroid-Responder. Ein
Absetzen der Steroide oder Umsetzen auf Rimexolon (Vexol AT) ist probatorisch
zu erwägen. Zweifelsohne müssen postoperative Druckanstiege „aggressiv“ behandelt
werden, um einen progressiven Verlust des Transplantatendothels einerseits,
andererseits aber auch um eine zunehmende, irreversible Papillenschädigung
zu vermeiden. Diese Therapie kann entweder medikamentös oder chirurgisch erfolgen.
Bei pseudophaken Augen sollte das Carbachol als guter Drucksenker nicht außer
Acht gelassen werden. Bei Herpes-Keratitis sollte kein Xalatan verwendet werden,
da die Prostaglandine zu einer Reaktivierung des Herpesvirus führen können.
Bei grenzwertigem Transplantat-Endothel sollte aufgrund kasuistischer Berichte
in der Literatur kein Trusopt (Acetazolamid) gegeben werden. Chirurgisch bevorzugen
wir heute besser dosierbare zyklodestruktive Eingriffe, wie die Zyklophotokoagulation.
Rechts sehen Sie das Bild einer allmählich progressiven Transplantatinsuffizienz
aufgrund permanent zu hoher Augeninnendruckwerte (ihne Vorderkammerreizzustand
und retrokorneale Präzipitate).
Dia 43:

Eine entscheidende Komplikation der Kornea-Transplantation stellt die Immunreaktion dar. Wir unterscheiden zwischen epithelialen, stromalen und endothelialen Immunreaktionen.
Rechts sehen Sie die eine epitheliale,
typischerweise wandernde, Immunreaktionslinie – hier in Kombination mit einer
chronisch fokalen endothelialen Immunreaktion. Chronisch stromale Transplantatreaktionen
ähneln den Produkten einer Keratokonkunktivitis epidemica, also subepitheliale
nummularisartige Veränderungen. Sie sind jedoch auf das Transplantat beschränkt.
Die akute stromale Transplantateinschmelzung ist extrem selten. Bei weitem
am häufigsten sind die endothelialen Transplantatreaktionen, wobei wir akut
diffuse von chronisch fokalen unterscheiden.

Links
sehen Sie eine typische chronisch fokale Transplantatreaktion mit der von
der Peripherie nach zentral wandernden Khodadoust-Linie mit einer dahinter
liegenden steppenbrandartigen Fläche der Endothelverwüstung und entsprechender
fokaler Endothel-Epithel-Dekompensation.
Rechts sehen Sie das Bild einer akut
diffusen Transplantatreaktion mit Zellen und Tyndall in der Vorderkammer,
retrokornealen Präzipitaten und einer Dekompensation des gesamten Transplantates.
Die Therapie besteht nach rechtzeitigem Erkennen in sofortiger hochdosierter
Applikation lokaler und systemischer Steroide.

Bei Oberflächenproblemen setzen wir
unkonservierte künstliche Tränen oder pflegende Gele ein. Eine Alternative
wären pflegende Salben (z.B. Vitamin-A AS) mit oder ohne Druckverband, mit
oder ohne zusätzliche lokale Kühlung oder Erwärmung. Weiter kann konservativ
mit Hyaloronsäure therapiert werden. Es bleibt zu betonen, daß ein Transplantat
im Falle von Oberflächendefekten oft völlig anders reagiert als die ursprüngliche
Hornhaut. In unseren Händen hat sich insbesondere nach komplizierter Keratoplastik,
wie rechts bei der exzentrischen Mini-Keratoplastik bei perforiertem rheumatischen
Ulcus die Therapie mit Eigenserum-Tropfen. Wir verabreichen das autologe Serum
100 %-ig vom Kühlschrank aus alle ein bis zwei Stunden. Bei jeder Therapieform
muß die Epitheltoxizität der applizierten Agentien minimiert werden. Wir verabreichen
als Antibiotikum Ofloxacin (also Floxal AS) statt Aminoglycosiden (also Refobacin
AS). Die nichtsteroidalen Antiphlogistika, wie das Voltaren oder das Acular,
haben in der Nachsorge der Keratoplastik - unserer Meinung nach - keinen Platz,
weil sie epitheltoxisch sind und die Immunreaktion doch nicht aufhalten können.
Dia 46:

Chirurgisch
kann bei Oberflächenproblemen die ein- oder mehrlagige Amnionmembrantransplantation
erfolgen oder eine temporäre laterale Tarsorrhaphie.
Eine Alternative um eine Art körpereigenen
Verband zu kreieren, ist die, wie rechts zu sehen, Botulinium-Injektion zur
temporären (ca. 3 Monate) Induktion einer Ptosis. Die Hornhaut kann durch
manuelle Eröffnen des Oberlides konsequent beobachtet werden.

Links ist ein tiefes schüsselförmiges
Ulcus auf dem Re-Transplantat bei herpetischer Keratitis abgebildet. Rechts
die Situation drei Tage nach einer dreilagigen Amnionmembrantransplantation
im Sinne eines „Double Graft Sandwich“: In der Tiefe des Ulcus ist eine Lage
aufgelegt, darüber eine Lage am Ulcusrand genäht im Sinne eines Graft. Darüber
ist von Limbus zu Limbus ein Patch von 13,0 mm-Durchmesser gespannt und am
Limbus befestigt. Obenauf liegt für ca. drei bis vier Wochen eine therapeutische
Kontaktlinse.

Ein
weiteres Problem nach initial erfolgreicher Keratoplastik können Rezidive
der Grunderkrankung darstellen. Hier werden unterschieden solche mit günstiger
und ungünstiger Prognose. Das Rezidiv einer stromalen Dystrophie, insbesondere
der granulären Dystrophie auf dem Transplantat, hat eine günstige Prognose.
Sie wissen, daß die granulären Dystrophien sehr häufig nach wenigen Jahren
rezidivieren, die gittrigen Dystrophien später zwischen 5 und 8 Jahren, während
die makulären Dystrophien sehr selten und in der Regel nicht vor 10 Jahren
nach der Keratoplastik Rezidive zeigen. Typischerweise spielen sich die Rezidive
subepithelial ab und sind damit gut der phototherapeutischen Keratektomie
mit dem Excimer-Laser (PTK) zugänglich. Dieser Eingriff ist, wenn man sparsam
abladiert, mehrmals wiederholbar und kann modernerweise auch topographiegestützt
erfolgen, um so gleichzeitig einen Teil des kornealen Astigmatismus zu korrigieren.
Eine ungünstige Prognose hat das Rezidiv
der herpetischen Keratitis. Rechts sehen Sie eine geographische Keratitis
auf dem Transplantat. Eine potentiell katastrophale Prognose hat die Transplantateinschmelzung
bei der primär chronischen Polyarthritis.
Dia 49:

Hier sehen Sie das Rezidiv einer gittrigen
Dystrophie auf dem Transplantat, links vor und rechts nach einer milden Excimerlaser
PTK.

Im
Rahmen dieses Referates soll nicht ausführlich auf den Astigmatismus nach
Keratoplastik eingegangen werden. Prinzipiell ist jedoch zu unterscheiden
zwischen der Therapie des Astigmatismus mit liegenden Nähten und der Therapie
des Astigmatismus nach Entfernung aller Nähte. So lange die Nähte liegen,
kann man den doppelt fortlaufenden Faden justieren. Wir machen das bevorzugt
am Ende der Operation unter Zuhilfenahme einer Placido-Scheibe. Darüber hinaus
läßt sich eine selektive Fadenentfernung vornehmen. Hier bietet sich vor allem
die selektive Entfernung von Einzelknüpfnähten anhand topographischer Kriterien
an.
Wenn alle Fäden entfernt sind, kann
man sog. „Relaxing incisions“ im Sinne einer Revision im Spender-/Empfänger-Grenzring
vornehmen. Wir halten das nicht für günstig, weil die Perforationsgefahr,
insbesondere beim Keratokonus, sehr hoch ist. Man kann auch selektiv Kompressionsnähte
in der flachen Achse anlegen. Wir bevorzugen heute die transversen Keratotomien
im Transplantat und ergänzen bei einem Astigmatismus über 8 Dioptrien Kompressionsnähte
im flachen Meridian. Die Keilexzisionen, sog. „Wedge-Resection“ nach Troutman,
sollte sehr hohen Astigmatismen vorbehalten bleiben. Dieser Eingriff ist schwer
dosierbar und geht oft mit einer deutlichen Irregularisierung der Topographie
einher. Modernerweise können konventionelle bzw. topographiegestützte Verfahren
wie die PRK oder die LASIK eingesetzt werden. PRK insbesondere dann, wenn
zusätzlich z. B. das Rezidiv einer stromalen Dystrophie mit abgetragen werden
soll oder oberflächliche Narben. Sollten diese Verfahren nicht von Erfolg
gekrönt sein, bleibt nur die Re-Keratoplastik mit größerem Durchmesser. Hier
sollte idealerweise die Laser-Trepanation angewendet werden.

Lassen
Sie mich nun zusammenfassen:
Der
langfristige Erfolg der perforierenden Keratoplastik beruht präoperativ
zunächst (1) auf der situationsgerechten Indikationsstellung und (2) der adäquaten
Operationsplanung sowie (3) der kritischen Auswahl des Spendergewebes. Intraoperativ
empfiehlt sich eine minimal invasive mikrochirurgische Technik unter (4) individueller
Bestimmung des Transplantatdurchmssers. Insbesondere bietet sich heute (5)
die Laser-Trepanation zur Minimierung des Astigmatismus an. Postoperativ
beruht der Erfolg ganz entscheidend auf einer (6) indikationsabhängigen engmaschigen
Nachsorge mit einem (7) adäquaten Komplikationsmanagement.
Rechts sehen Sie die Situation nach
Entfernung des ersten Fadens bei einer Keratoplastik mit 7,0 mm Durchmesser
bei makulärer Dystrophie.

Der langfristige Erfolg der Keratoplastik
setzt voraus: Zum einen die wiederholte eindrückliche Sensibilisierung des
Patienten gegenüber alarmierenden subjektiven Symptomen, wie rotes Auge, Visusminderung,
Schmerzen und zum anderen die aufgeklärte Einbindung des nachbehandelnden
Augenarztes in geeignete Nachsorgekonzepte.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
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