Applanationstonometrie und Hornhautdicke:
Zur Größe des Korrektionswertes.
Prof. Dr.med. Richard Stodtmeister
Augenarzt Belegarzt Ambulante Operationen,
Turnstraße 24, D-66953 Pirmasens
e-mail: stodtmeister@t-online.de
In
einem früheren Artikel in dieser online Zeitschrift hat Michelson
(1)
dargelegt, daß die Meßwerte der Goldmann-Applanationstonometrie
nach der Hornhautdicke korrigiert werden sollten. In der Literatur wird die
Größe des Korrekturwertes unterschiedlich angegeben. Es soll deshalb hier
gezeigt werden, welche Korrektur nach dem heute verfügbaren Wissen sinnvoll
ist.
Bei der Anwort auf diese Frage können nur die Arbeiten berücksichtigt werden,
bei denen simultan der Augeninnendruck applanatorisch und intracameral gemessen
und bei denen zugleich die Hornhautdicke bestimmt wurde: Dies sind die Arbeiten
von Ehlers et al.
(2)
, Whitacre et al.
(3)
, Feltgen et al.
(4)
und Foster et al.
(5)
. Die letztgenannten Autoren konnten keinen klaren
Zusammenhang zwischen Hornhautdicke und Meßfehler finden. Sie führen dies
auf eine andere Sklerarigidität zurück bei den von ihnen untersuchten Chinesen-Augen.
Nach der nicht ganz nachvollziehbaren Beschreibung des Versuchsaufbaues könnte
die 2 Meter lange Zuleitung zum Meßinstrument die Ergebnisse beeinflußt haben.
Feltgen et al.
(4)
haben bei ihren Untersuchungen als alleiniges Gütekriterium
für ihre Messung die Stabilität des Meßwertes angesehen. Aufgrund eigener
Erfahrung mit dem Messen von Drücken durch Leitungen enger Lumina
(6)
muß dieses Kriterium als ungenügend angesehen werden.
Der Schlußfolgerung dieser Autoren, daß die Hornhautdicke die Applanationstonometrie
nicht beeinflusse, sollte man sich deshalb aufgrund der leicht nachvollziehbaren
Methodenkritik nicht anschließen. Die ausgeprägteste Abhängigkeit des Meßfehlers
von der Hornhautdicke zeigen die Ergebnisse von Ehlers et al.
(2)
. Diesen Resultaten werden in Diskussionen die Ergebnisse
von Whitacre et al.
(3)
gegenübergestellt, bei denen die Steigung der Regressionsgeraden
deutlich kleiner ist. Die Steigungen sind aber nicht direkt vergleichbar ohne
eine Beurteilung der biometrischen Aussagekraft. Der Korrelationskoeffizient
ist bei Ehlers et al. (Abb. 4) 0,768 während bei Whitacre zur Abb. 4 kein
solcher Koeffizient angegeben ist. Wir haben die Koordinaten der Datenpunkte
dieser Abbildung gemessen und aus ihnen einen Korrelationskoeffizienten von
0,51 errechnet. Nach Klemm
(7)
(Seite 97) sind Zusammenhangsbetrachtungen bei Korrelationskoeffizienten
unter 0,6 reine Zahlenspielerei. Deshalb sollten die Ergebnisse von Whitacre
et al. bei der Betrachtung des Meßfehlers der Applanationstonometrie nicht
berücksichtigt werden. Das schmälert nicht den Verdienst dieser Autoren, das
Problem der Hornhautdicke in die Diskussion gebracht zu haben.
Nach unserer Auffassung von Wissenschaft ist die Güte von Ergebnissen allein
nach den Methoden zu beurteilen, mit denen sie erarbeitet wurden. Hier können
nur die Ergebnisse von Ehlers eine Methodenkritik bestehen. Danach ist anzunehmen,
daß eine Änderung der Hornhautdicke um 10 µm bei gegebenem Augeninnendruck
den applanatorisch gemessenen Wert um 0,71 mm Hg verändert. Das ist klinisch
nicht vernachlässigenswert, denn ein solcher Einfluß läßt nach unseren Daten
(8)
bei Patienten mit oculärer Hypertension den Augeninnendruck
bei jedem fünften Patienten um 4 mm Hg und mehr nach unten korrigieren. Nicht
nachvollziehbar ist die Ansicht von Shah
(9)
, der unter Zitierung der gleichen Artikel wie hier
nur
zu einer einer Korrektur von 0,5 mm Hg pro 10µm Hornhautdickenänderung kommt.
Den
Ergebnissen von Ehlers et al.
(2)
werden von Bechmann et al.
(10)
die Resultate der Rotterdam-Studie entgegengehalten,
von denen sie erwähnen, daß pro 10µm Änderung der Hornhautdicke sich der applanatorische
Augeninnendruck nur um 0,19 mm Hg ändere. Die Ergebnisse von Ehlers et al
(2)
(Abb. 4) und die Ergebnisse der Rotterdam-Studie
(11)
(Abb. 2) sind in ihrer Aussage jedoch nicht miteinander
vergleichbar. In der Abbildung 4 von Ehlers et al. ist auf der Ordinate der
Korrektionswert aufgetragen, in der Abbildung 2 von Wolfs et al.
(11)
ist es der gemessene applanatorische Augeninnendruck.
Es widerspricht somit den gundlegenden Prinzipien wissenschaftlichen Argumentierens,
diese beiden Steigungen von Regressionsgeraden zu vergleichen und die Steigung
der Geraden von Ehlers et al.
(2)
aufgrund der Rotterdam-Studie anzuzweifeln. Der
Argumentation von Bechmann et al. darf deshalb nicht gefolgt werden.
Nun noch zur Frage, von welcher mittleren Hornhautdicke auszugehen sei. Hier
kommt es nicht auf einen absoluten Wert an wie bei der Keratotomie, wo Fehleinschätzungen
zu schwersten Komplikationen führen können. Jeder Untersucher erzielt mit
seiner Methode einen Mittelwert, der vom Mittelwert anderer Untersucher verschieden
sein kann. Von diesem Wert kann dann bei der Korrektur ausgegangen werden,
ohne daß ein methodischer Fehler gemacht wird. Für den Zweck der Korrektur
ist dieses Verfahren zulässig. Jeder Untersucher sollte somit an mindestens
30 augengesunden Personen die Hornhautdicke messen, die Verteilung prüfen
und bei Normalverteilung den Mittelwert berechnen. Der kann dann in folgende
Formel eingegeben werden
(8;12)
:
Korrektionswert
= (gemessene Hornhautdicke [µm] – Mittelwert [µm]) X (5/70)
Dann
ist:
Korrigierter
Augeninnendruck = Goldmann-Ablesewert + Korrektionswert
Die
Ergebnisse sollten außerhalb des Bereiches (Mittelwert der Hornhautdicke ±
70 µm) mit der nötigen Vorsicht
(7)
betrachtet werden, weil nicht angenommen werden
kann, daß der Zusammenhang zwischen Hornhautdicke und Korrektionswert bei
höheren Abweichungen linear ist.
1. Michelson G. GoldmannAugeninnendruck sollte nach der Hornhautdicke korrigiert
werden. Online Journal of Ophtahlmology. 2001;2001:1-2.
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5. Foster PJ, Wong JS, Wong E, Chen FG, Machin D, Chew PT. Accuracy of clinical estimates of intraocular pressure in Chinese eyes. Ophthalmology 2000.Oct.;107.(10.):1816.-21. 107:1816-21.
6. Stodtmeister R, Kästner R, Pillunat LE. Saugnapfmethoden. In: Straub W, Kroll P, Küchle HJ, eds.Augenärztliche
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7. Klemm PG. Keine Angst
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8. Stodtmeister R. Applanation tonometry and correction according to corneal thickness. Acta Ophthalmol.Scand. 1998;76:319-24.
9. Shah S. Accurate intraocular pressure measurement-the myth of modern ophthalmology?
[editorial]. Ophthalmology 2000.Oct.;107.(10.):1805.-7. 107:1805-7.
10. Bechmann M, Thiel MJ, Roesen B, Ullrich S, Ulbig MW, Ludwig K. Central corneal thickness determined with optical coherence tomography in
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