18 Januar, 2001
Goldmann-Augeninnendruck sollte nach Hornhautdicke korrigiert werden
Prof. Dr. Georg Michelson
Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg
Der Augeninnendruck ist ein wichtiger Parameter bei der Diagnose und beim Monitoring von Glaukomen. Aufbauend auf epidemiologische Studien ist weitgehend akzeptiert, daß 21mmHg der Grenzwert darstellt, der zwischen normalem und erhöhtem Augeninnendruck trennt. Die Messung des Augeninnendrucks mit dem Goldmann-Applanationstonometer wird als genau angenommen und wurde als Goldstandard der Augeninnendruckmessung akzeptiert.
Goldmann und Schmidt (1) beobachteten, daß die Oberflächenspannung und die corneale Rigidität sich ausgleichen und deshalb ignoriert werden können bei der Augendruckbestimmung mit einem Tonometerköpfchen von 3,06 mm im Durchmesser und bei einer Hornhautdicke von 500um. Bei dickeren Hornhäuten scheint eine höhere Kraft benötigt zu werden, um die Hornhaut zu applanieren. Der umgekehrte Effekt ist bei dünneren Hornhäuten anzutreffen.
Die Rotherdam Studie (2) ergab, daß in dieser Population die mittlere Hornhautdicke 537um betrug bei einer Spannweite der HH-Dicke von 427um – 620um. In dieser Studie erhöhte sich der Augendruck bei gesunden Personen um 0,19mm pro 10um Hornhautdicke. Ehlers et al (3) zeigte in einer manometrischen Sudie, daß der durchschnittliche Fehler 0,71mmHg/ 10um Hornhautdicke betrug bei einer durchschnittlichen Hornhautdicke von 520um.
Die Durchführung von LASIK ergab weitere Erkenntnisse über dem Zusammenhang zwischen der Hornhautdicke und dem Augeninnendruck. Chatterjee (4) beobachtete bei Messung mit einem Non-contact Tonometer, daß nach LASIK es zu einem Augeninnendruckabfall von 0,46mm Hg/ 10 um Hornhautdicke kam. Cennamo (5) zeigte einen Augeninnendruckabfall von 0,71mmHg/ 10 um Hornhautdicke bei Messung mittels einem Goldmann Tonometer. Darüberhinaus gibt es Hinweise, daß der Hornhautradius Einfluß bei der Bestimmung des Augeninnendrucks mittels der Applanationstonometrie.
Schlußfolgerung:
Die Goldmann Applanationstonometrie führt zu korrekten Werten nur bei normalen Hornhäuten und einer einer HH-Dicke von 520um. Die durchschnittliche Hornhautdicke beträgt jedoch 537-554 um und variert zusätzlich im Tagesverlauf mit einer durchschnittlichen Tagesvariationsbreite von ca 7% (6).
Als grober Anhalt sollte nach Shah (10) folgende Faustregel angewandt werden bei der Abschätzung des tatsächlichen Augeninnendrucks. Die Minderung des Augendrucks bei verdickter Hornhaut beträgt:
0,5 mmHg/ 10 um Hornhautdicke ausgehend von der mittleren Hornhautdicke von 550um
Mit Hilfe der Formel (1) und mit Abbildung 1 kann man den korrigierten Augeninnendruck errechnen.
Formel (1)
IOPkorrigiert =IOPapplanationstonometer-{Hornhautdicke[um]-550[um]}/10x 0,5mmHg
Schritte 1-4 zur Berechnung des korrigierten Augeninnendrucks:
1) Messung des Augeninnendrucks mittels Goldmann-Applanationstonometrie ergibt: IOP
2) Messung der Hornhautdicke mittels Pachymeter oder Orbscan ergibt: Hornhautdicke
3) Abbildung 1 ergibt für gemessene Hornhautdicke: Delta IOP
4) Berechnung des korrigierten Augeninnendrucks erfolgt mit Formel (2) und ergibt : IOPkorrigiert
Formel (2): IOPkorrigiert =IOPapplanationstonometer- Delta IOP [mmHg]
Literatur