Großes Onkozytom der Karunkel

Claus Cursiefen, Leonard M. Holbach

Augenklinik mit Poliklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen

Tel. *49-9131-853001, Fax. *49-9131-854436, e-mail: claus.cursiefen@augen.med.uni-erlangen.de

Kasuistik

Eine 76-jährige Patientin stellte sich mit einer einjährigen Anamnese eines langsam wachsenden, schmerzlosen Tumors im Bereich der rechten Karunkel vor.
(Abb. 1).
Es fand sich ein zystischer, rötlicher, nicht-pigmentierter Tumor im Bereich der rechten Karunkel. Der Tumor war z.T. durchleuchtbar mit einigen teleangiektatischen Gefäße auf seiner Oberfläche. Der Tumor wurde im Rahmen einer exzisionellen Biopsie entfernt und anschließend histopathologisch untersucht. Unter dem mehrschichtigen verhornenden und unverhornenden Plattenepithel der Karunkel fanden sich Hautanhangsgebilde sowie zentral subepithelial ein großer zystischer Tumor von 8x7x6 mm Größe (in toto entfernt), der von einem einschichtigen, eosinophilen feingranulierten hochprismatischen Epithel ausgekleidet war
(Abb. 2).
Diese zytologisch benignen Zellen proliferierten z.T. fingerförmig in das Zystenlumen, in welchem sich vereinzelt PAS-positive Ablagerungen fanden (histopathologische Diagnose: Onkozytom der Karunkel;
Abb. 3).

Diskussion

Das Onkozytom (oxyphiles Adenom, apokrines Zystadenom) ist ein gutartiger Tumor, der in Drüsenausführungsgängen im Bereich der Augen sowie im ganzen Körper auftreten kann (1, 2). Der Tumor besteht aus großen, proliferierenden Epithelzellen mit feingranulärem eosinophilen Zytoplasma („Onkozyten"), die ein Zystenlumen auskleiden und papillär in dieses vorwachsen. Die Tumorzellen sind mit atypischen Mitochondrien angefüllt (3). Das Onkozytom kommt am Auge am häufigsten im Bereich der Karunkel vor (3-8 % aller Karunkeltumoren), findet sich aber auch im Bereich der Augenlider, der Konjunktiva, der Tränendrüse und des Tränensackes; meist sind Frauen im Alter über 50 Jahre betroffen (4). Onkozytome der Karunkel, die von den Ausführungsgängen der akzessorischen Tränendrüsen der Karunkel ausgehen, wachsen langsam und sind meist zwischen 2 und 5 mm groß (2-5). Klinisch sind diese Tumoren zystisch, wenig pigmentiert und oft von teleangiektatischen Gefäßen bedeckt. Die chirurgische Exzision und anschließende histopathologische Untersuchung stellt die Therapie der Wahl dar (5).

Literatur

1 Hamperl H. Onkocyten und Geschwülste der Speicheldrüsen. Virchows Arch Pathol Anat. 1931;282:724-736

2 Bujara K, v. Domarus D. Onkozytome der Karunkel. Klin Monatsbl Augenheilkd. 1978;172:848-852

3 Shields CL, Shields JA, Arbizo V, Augsburger JJ. Oncocytoma of the caruncle. Am J Ophthalmol 1986;102:315-319

4 Biggs SL, Font RL. Oncocytic lesions of the caruncle and other ocular adnexa. Arch Ophthalmol. 1977;95:474-478

5 Kruse FE, Völcker HE, Naumann GOH. Konjunktiva. In: Naumann GOH. Pathologie des Auges, 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, 1997

Abbildungen

Abb. 1 76-jährige Patientin mit einem anamnestisch seit einem Jahr langsam wachsenden Karunkeltumor rechts. Die gelbliche Färbung der Konjunktiva ist Folge der vorhergehenden Fluoreszeingabe. Man erkennt einzelne teleangiektatische Gefäße auf dem unpigmentierten Karunkeltumor, der partiell durchleuchtbar war (Größe: 8x7x6 mm).

Abb. 2 Histopathologisch findet sich ein zystischer Karunkeltumor (*Zystenlumen), der von einer kollagenen Hülle umgeben und von einem einschichtigen hochprismatischen eosinophilen Epithel ausgekleidet ist (HE, x16). An dem gleichzeitigen Vorkommen von Bindehautepithel (mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel mit Becherzellen, Pfeilspitzen) und Hautanhangsgebilden (Talgdrüsen, Pfeil) erkennt man, daß es sich um Karunkelgewebe handelt.

Abb. 3 Das die Zyste auskleidende, zytologisch benigne, hochprismatische eosinophile Epithel (Pfeile) wölbt sich papillär proliferierend ins Zystenlumen vor. Das darüberliegende mehrschichtige, unverhornte Karunkelepithel mit Becherzellen ist durch die Pfeilspitzen markiert.