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mellitus - Ursachen und Diagnostik |
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Grundlagen des
Diabetes mellitus - Ursachen und Diagnostik
Hans Dieter Janisch, Erik von Fritsch, Daniela Schütz,
Erlangen
Für die
Autoren:
Professor Dr. med. Hans - Dieter Janisch
Nägelsbachstr. 49 c
91052 Erlangen
Telefon 09131 - 7625 0
Fax 09131 - 762544
Einführung
Der Diabetes
mellitus ist nach den Fettstoffwechselerkrankungen die häufigste Stoffwechselerkrankung.
Sie ist besonders häufig in industrialisierten Ländern mit hohem Lebensstandard.
In Deutschland sind nach Hochrechnungen etwa 5 % der Bevölkerung an
einem Diabetes erkrankt. Das entspricht einer Gesamtzahl von ca. 4 Millionen
Betroffenen. Die Zahl nimmt nach den statistischen Daten ständig zu.
Patienten mit Diabetes mellitus werden nach ihrer Erkrankung in zwei
Gruppen aufgeteilt: den Typ 1 Diabetes (früher als jugendlicher Diabetes
bezeichnet und den Typ 2 Diabetes mit und ohne Übergewicht (früher als
"Altersdiabetes" bezeichnet). Zahlenmäßig überwiegt die Zahl der Betroffenen
mit einem Typ 2 Diabetes mellitus. Die Zahl der Betroffenen mit Typ
1 Diabetes ist 200.000. Das sind etwa 5 % der Gesamtzahl der Betroffenen.
Der
Typ 1 Diabetes mellitus
Ätiologie
und Pathophysiologie
Die Häufigkeit
des Auftretens der Erkrankung am Typ 1 Diabetes mellitus zeigt in Europa
ein Nord-Süd Gefälle. In den nordeuropäischen Ländern und hier insbesondere
in Finnland tritt der Typ 1 Diabetes deutlich häufiger auf als in Mittel-
und Südeuropa. Der Grund für diese Häufung ist nicht geklärt. Hoher
Lebensstandard und Überernährung spielen hier keine Rolle, sind doch
von dieser Erkrankung meist normalgewichtige Kinder und Jugendliche
betroffen. Er kann jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Bekannt ist
heute, daß der Manifestation des Typ 1 Diabetes ein Vorphase (Prä-Typ1-Diabetes)
vorausgeht, bei der es nach Induktion eines Autoimmunmechanismus zu
einem kontinuierlichen teilweise schubhaften Untergang der insulinproduzierenden
Inselzellen kommt (Abb. 1). Beim Typ 1 Diabetiker bilden sich Autoantikörper,
die gegen die insulinbildenden körpereigenen Zellen gerichtet sind.
Im Blut dieser Betroffenen lassen sich mindestens 90 verschiedene Antikörper
wie z.B. Inselzell-Antikörper (ICA) oder Insulin-Autoantikörper (IAA)
nachweisen. Aber auch andere gegen körpereigene Substanzen gerichtete
Antikörper lassen sich nachweisen (z.B. GAD). Im Gegensatz hierzu entwickeln
Patienten mit einem Typ 2 Diabetes keine Antikörper. Das Auftreten von
Antikörpern ist allerdings nicht gleichbedeutend mit der nahen Manifestation
des Diabetes. Warum es allerdings bei manchen Menschen zu dieser Fehlsteuerung
des Immunsystems und damit der Erkrankung am Diabetes mellitus kommt
ist bisher nicht bekannt. Angeschuldigt werden aber u.a. auch Umweltfaktoren.
Infekte allein führen nicht zum Diabetes. Möglich ist, daß ein Virusinfekt
eine immunologische Fehlreaktion auslöst, die dann im Laufe der Jahre
über die Bildung der Autoantikörper zur Manifestation eines Diabetes
führt. Da ein Infekt zu einer Verschlechterung des Stoffwechsels führen
kann, ist es nicht selten, daß die Manifestation, aber nicht der Krankheitsbeginn,
dieser ist früher, mit einem Infekt beginnt. Dieser Infekt hat nicht
die Kaskade der Inselzellzerstörung bewirkt. Er ist lediglich Auslöser
der Manifestation in einer Situation, die mit einer Belastung des Stoffwechsel
verbunden ist und damit eine Dekompensation des Stoffwechsels bewirkt.
Ist der
Autoimmunmechanismus gegen die Inselzellen getriggert führt die schubweise
aber kontinuierliche Zerstörung der Inselzellen irgendwann zur Dekompensation
des Stoffwechsels und damit zur Insulinpflicht. Ist der Stoffwechsel
durch die eingeleitete Behandlung wieder normalsiert, setzt nach einiger
Zeit die Phase der mehr oder weniger langen Remission ein. Sie ist charakterisiert
durch einen abnehmenden Insulinbedarf, der oft beim Betroffenen die
Euphorie auslöst die Krankheit sei überwunden. Die Remissionsphase dauert
unterschiedlich lange (Wochen, Monate). Nach ihrer Beendigung erschöpft
sich die Inselzellsekretion komplett. Eine absolute, dauernde Insulinpflicht
ist die Folge.
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Der
Typ 1 Diabetes ist weniger erblich als der Typ 2. Dennoch spielen
Erbfaktoren und dabei vornehmlich HLA-Typen für die Entwicklung
der Erkrankung eine gewissen Rolle. HL-Antigene sind charakteristischen
Zellmembran Antigene der weißen Blutkörperchen. Etwa 50% der Typ1
Diabetiker haben die HL-Antigene DR3 und DR4. Bei Gesunden findet
man diese dagegen nur in 6%. Dennoch ist bekannt, daß die Ursache
des Diabetes mellitus Typ1 nicht allein bei der Vererbung liegt.
Bei eineiigen Zwillingen sind nur in jedem dritten Fall beide Zwillinge
betroffen. |
Welches
Risiko besteht nun durch Vererbung am Typ 1 Diabetes zu erkranken ?
Für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr besteht das Risiko
an einem Diabetes zu erkranken zu 1 - 4 % wenn ein Elternteil einen
Typ 1 Diabetes hat. Das Risiko ist größer, wenn der Vater erkrankt ist
(2-4 %, Mutter Diabetikerin 1-2%).
Der
Typ 2 Diabetes mellitus
Im Gegensatz
zum Typ 1 Diabetes ist die Möglichkeit an einem Typ2 Diabetes zu erkranken
stark abhängig von Lebensweise und Umweltbedingung. Der Typ 2 Diabetes
ist als Wohlstandserkrankung anzusehen. So gab es beispielsweise im
II. Weltkrieg praktisch keinen Typ 2 Diabetiker. Ebenso verzeichnet
der asiatische Lebensraum mit seinem starken ökonomischen Aufschwung
derzeit die höchste Zunahme an Typ 2 Diabeteserkrankungen (Inzidenz).
Lebensumstände und Wohlstand sind also dafür verantwortlich, ob die
genetische Disposition zur Manifestation des Diabetes führen. Kennzeichnend
dafür ist, das zwischen 80 und 90 % der Typ 2 Diabetiker übergewichtig
sind (Typ 2 b). Nur 10 - 20% sind normalgewichtig (Typ 2 a, Anmerkung:
Die 1997 von der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft (ADA) und der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) revidierte Klassifikation verzichtet
auf die Unterscheidung des Typ 2 Diabetes nach Gewicht.)
Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang auch das Phänomen, daß der
Typ 2 Diabetes heute eine früheres Manifestationsalter hat. Erkrankt
daher ein Erwachsener an Diabetes ohne daß ein Übergewicht besteht oder
bestanden hat, so kann es sich um einen Typ 1 Diabetes handeln, der
spät beginnt oder um einen Typ 2 Diabetes. Der Nachweis eines Typ1 Diabetes
(immunologisch vermittelter Diabetes mellitus) gelingt dann durch den
Nachweis von Antikörpern im Serum (ICA, GAD). Sind diese vorhanden ist
mit einer frühen Insulinpflicht zu rechnen.
Der Typ 2 Diabetes beginnt im Gegensatz zum Typ 1 Diabetes in allgemeinen
nicht mit einer dramatischen Entgleisung. Zeitpunkt der Diagnosestellung
und Beginn der Erkrankung liegen beim Typ 2 Diabetes oft Jahre auseinander.
Es ist bekannt, daß bei Diagnosestellung die Erkrankung oft schon 5
bis 7 Jahre oder auch noch länger besteht (Diabetes im Anfangsstadium
tut nicht weh!). So ist nicht selten bei Typ 2 Diabetikern bei Diagnosestellung
schon eine Reihe von Folgeerkrankungen manifest (s.u.). Aus diesem Grund
sind für den Typ 2 Diabetes Screening-Programme sinnvoll. Da wie bereits
erwähnt Typ 2 Diabetiker zum größten Teil übergewichtig sind, findet
man häufig das sogenannte Metabolisch-vaskuläre Syndrom mit dem vermindertem
Ansprechen auf das körpereigene Insulin und damit einer vermehrten Insulinproduktion.
Diese Kombination geht einher mit einer Zunahme des Bauchfettes, einer
Erhöhung der Blutfette, des Blutdruckes und einer vorzeitigen Arteriosklerose.
Wie schon erwähnt wird der Typ 2 Diabetes häufig vererbt. Er hat ein
Vererbungsrisiko von ca. 40 % und ist bis heute nicht heilbar. Vererbt
werden 1. die Neigung zur Insulinüberproduktion mit Überforderung der
Betazellen und vorzeitiger Erschöpfung der Insulinausschüttung (Sekundärversagen)
und 2. Das verminderte Ansprechen der Muskulatur auf Insulin (Insulinresistenz).
Klinik
und Diagnostik des Diabetes mellitus
Der Verdacht auf das Vorliegen eines Diabetes mellitus muß geäußert
werden , wenn die Kardinalsymptome Polydypsie, Polyurie Gewichtsabnahme,
Mattigkeit und Sehstörungen geschildert werden. Diese Symptome sind
besonders häufig und charakteristisch beim Typ 1 Diabetes. Aus der eigenen
Erfahrung suchen einige Typ 1 Diabetiker zunächst den Augenarzt auf,
da Sehstörung das Leitsymptom bei ihnen war. Das früher häufige Keto-azidotische
Koma ist heute als Erstmanifestation des Diabetes Typ 1 eher selten.
Der Typ 2 Diabetiker hat die Leitsymptome häufig sehr viel weniger ausgeprägt.
Daher wird die Diagnose häufig als Zufall bei einer Durchuntersuchung
aus anderem Anlaß gestellt. Bei vorhandenem Risiko, wie eine positive
Familienanamnese, ist an die Möglichkeit eines Diabetes zu denken und
ein möglichst frühzeitiges und regelmäßiges (jährlich) Screening zu
beginnen. Um den Typ 2 Diabetes früher zu erkennen wurde 1997 von ADA
und der WHO die Grenze für die Diagnose eines Diabetes gesenkt (Blutzucker
von 126 mg/dl oder 7 mmol/L). Verdächtig sind nüchtern bestimmte Blutzuckerwerte
zwischen 110 mg/dl (6,1 mmol/l) und 125 mg/dl (6,9 mmol/l). Werden 2
Stunden nach Beginn einer kohlenhydratreichen Mahlzeit Blutzuckerwerte
über 200 mg/dl (11 mmol/l) gemessen, ist dies ein weitere Beweis für
einen manifesten Diabetes mellitus. Bestehen trotz dieser diagnostischen
Grenzen Zweifel an der Diagnose ist ein oraler Belastungstest mit 75
g Traubenzucker in Wasser gelöst zur Sicherung der Diagnose angezeigt.
Für den Verlauf der Erkrankung und der Beurteilung der sogenannten Einstellungsqualität
ist der HBA1c Wert (glykolisiertes Hämoglobin) von entscheidender Wichtigkeit.
Hierbei handelt es sich um den prozentual ausgedrückten Verzuckerungsgrad
eines speziellen Hämoglobins. Dieser Wert gibt Auskunft über die Güte
der Blutzuckerwerte der letzten 2 bis 3 Monate. In Abhängigkeit vom
Labor ist der HbA1c normal unter 6, 1 %. Ähnliches gilt für die Bestimmung
des Fructosamins. Sie erlaubt die Blutzuckerbeurteilung der letzten
14 Tage. In der Routine und in der Qualitätskontrolle spielt dieser
Wert allerdings keine Rolle
Tab.
1:
Personen für ein Diabetes-Screening
- Personen
über 45 Jahre
- Übergewichtige
: BMI >27 kg/m2 (BMI Formel: Gewicht in kg/ Größe (m) 2)
- Personen
mit positiver Familienanamnese (Verwandte 1. Grades mit Diabetes)
- Frau
mit einem Gestationsdiabetes in der Anamnese oder Kindern mit hohem
Geburtsgewicht)
- Personen
mit anderen Risikofaktoren (Hochdruck, Fettstoffwechselstörungen
- Personen
mit einer gestörten Glucosetoleranz
Tab.
2:
Diagnostische Kriterien zur Diabetesdiagnose
- Typische
Symptome und ein nicht nüchtern gemessener Blutzucker von > 200 mg/dl
(11,1 mmol/l)
- Nüchtern
Blutzucker > 126 mg/dl( 7,0 mmol/l)
- "2-Stunden"-
Plasma-Glucose > 200 mg/dl (11,1 mmol/l) beim OGTT
Tab.
3:
Einstellungsqualität nach HbA1c
 |
| 4,0
- 6,1 % |
 |
Norm |
 |
| bis
6,5 % |
 |
sehr
gute Einstellung |
 |
| 6,5
- 7,5 % |
 |
gute
Einstellung |
 |
| 7,5
- 8,5 % |
 |
befriedigende
Einstellung |
 |
| 8,5
- 11% |
 |
schlechte
Einstellung |
 |
| >
11 % |
 |
miserable
Einstellung |
 |
Weiterführende
Literatur
American Diabetes Association : Report of the expert committee on the
diagnosis and classification of the diabetes mellitus.
Diabetes Care 21 (Suppl. 1) 5 - 19 , 1998
Harris MI, Hadden, WC, Knowler WC, Bennett PH: International criteria
for the diagnosis of diabetes and impaired glucose tolerance
Diabetes Care : 562 -67, 1985
National Diabetes Data Group : Classification and diagnosis of diabetes
and other catagories of glucose intolerance
Diabetes 28: 1039 -157 1979
Haffner, SM, Miettinen H: Insulin resistance implications for type II
diabetes mellitus and coronary heart disease
Am J Med 103: 152 - 162 1997
Reaven GM: Pathophysiology of insulin resistance in human disease
Physiol Rev 75: 473 -486 1997
Medical Management of Type 2 Diabetes
Fourth Edition 1998, American Diabetes Association
Clinical Education Series 1998
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