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-> Schlaganfall-Risiko am Augenhintergrund erkennbar
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| Schlaganfallrisiko
am Augenhintergrund erkennbar |
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Georg
Michelson, Augenklinik, Universität Erlangen-Nürnberg, Juni/Juli 2000
Das
Schlaganfallrisiko kann frühzeitig am Augenhintergrund erkannt werden
Jährlich erkranken in Deutschland ca 150.000 Menschen an Schlaganfall.
Innerhalb einer Stadt mit ca. 100.000 Personen muß jedes Jahr mit etwa
180 neuen Schlaganfällen gerechnet werden. Der Schlaganfall ist eine
akut auftretende Gefäßerkrankungen des Gehirns, der das Leben und und
die Lebensumstände des Patienten und seiner Familie grundlegend verändern
kann. Bei 1/3 der betroffen Patienten bleiben Lähmungen, Sprach bzw.
Sehstörungen zurück, bei einem 1/3 verläuft die Erkrankung tödlich.
In Deutschland ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache
und die häufigste Ursache für Behinderung und Pflege im Erwachsenenalter.
Die Kosten für die Behandlung der Schlaganfallpatienten sind sehr hoch.
Man schätzt, daß in Deutschland die Behandlungkosten ca 12 Milliarden
DM jährlich betragen.
Kann man dagegen etwas tun?
Entscheidend für eine erfolgreiche Prävention dieser vermeidbaren Erkrankung
ist die frühzeitige Erfassung von gefährdeten Personen. Die Hauptursachen
für einen Schlaganfall sind erhöhter Blutdruck und Arteriosklerose der
Gefäße. Deshalb ist es wichtig diese Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen,
um rechtzeitig mit Gegenmaßnahmen beginnen zu können. Eine Früherkennung
dieser Risikofaktoren ist möglich durch Untersuchung des Augenhintergrunds,
die in der Regel jeder Augenarzt durchführen kann.
Blutdruckhochdruck
und Arteriosklerose sind die Hauptursachen des Schlaganfalls!
Die Gefäße des Augenhintergrundes zeigen den Grad der Durchblutungsstörungen
im Gehirn an, die von Blutdruckhochdruck und Arteriosklerose verursacht
werden. Damit ist es möglich durch Untersuchung der feinen Gefäße des
Augenhintergrundes zu erkennen, ob ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht.
Sichtbare Anzeichen für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko sind Gefäßverengungen
und Mikro-emboli der Netzhautgefäße. Der Bluthochdruck führt zu sichtbaren
Verengungen der Netzhautgefäße (Arteriolen), die Arteriosklerose zu
sichtbaren Mikro-Plaquepartikeln in den Netzhautgefäßen. In der Regel
werden diese feinen Plaques durch den Blutstrom von der arteriosklerotisch
veränderten Gefäßwand der Halsschlagader abgerissen und in die Gefässe
des Gehirns und des Auges fortgetragen. Bleibt ein feiner Plaque (Mikroembolus)
in einem Netzhautgefäß stecken, kann er bei der Augenhintergrunduntersuchung
erkannt werden.
In einer US-Studie (1) wurde bei 4900 Personen im Alter von 43 bis 86
Jahren die Netzhaut untersucht. Dabei wurde geachtet auf das Vorhandenseins
von Mikroemboli in den Netzhautgefäßen. Diese Untersuchung wurde 5 Jahre
später bei denselben Personen wiederholt. Bei 3 von 1000 Personen zeigten
sich feine glitzernde Plaques in den Netzhautgefäßen (Mikroembolus)
(siehe Bild). Bei Männern, bei Personen mit Bluthochdruck, bei Zuckerpatienten
und bei Rauchern war die Auftretenswahrscheinlichkeit von Mikroemboli
in den Netzhautgefäßen statistisch signifikant erhöht: bei Männern 1,71-fach
erhöht, bei Personen mit unkontrolliert erhöhten Blutdruckwerten 3,7-fach
erhöht, bei Rauchern 3,6-fach erhöht und bei Diabetiker 1,9-fach erhöht.
Zeigte sich bei Personen Mikroemboli in den Netzhautgefäßen, verfünf-fachte
sich bei diesen Personen das Risiko am Schlaganfall zu versterben: In
der Gruppe mit Mikroemboli in den Netzhautgefäßen verstarben 16 Personen
pro 1000 Personen und pro Jahr durch Schlaganfall, bei Personen ohne
Mikroemboli in den Netzhautgefäßen lediglich 2,7 Personen pro 1000 Personenund
pro Jahr. Es ist lange bekannt, daß langandauernder Bluthochdruck zu
einer Verengung der Netzhautgefäßen führt.
Neu ist, daß ein direkter mathematischer Zusammenhang besteht zwischen
gemessenen Gefäßdurchmesser in der Netzhaut und den Blutdruckwerten
in der Vergangenheit. Je verengter die Netzhautgefäße, desto höher war
der Blutdruck in der Vergangenheit. In einer weiteren US-Studie (2)
wurden 11.000 Personen mit einem Alter zwischen 48 und 73 untersucht.
Bei diesen Personen wurden die Durchmesser der Netzhautgefäße und die
Blutdruckwerte gemessen. Dabei zeigte sich, daß aus dem Grad der Verengung
des Gefäßes direkt auf die Blutdruck-Einstellung geschlossen werden
konnte. Eine schlechte Einstellung des Blutdrucks mit Erhöhung der Werte
um +10mmHg führt zu einer sichtbaren Gefäßverengung in den sauerstoffzuführenden
Netzhautgefäßen um 5%. Durch Ausmessen der Gefäßverengungen am Augenhintergrund
kann ein Index errechnet werden, der angibt, wie stark der Bluthochdruck
in den vergangenen Jahren die Gefäße geschädigt hat.
Entscheidend
für eine erfolgreiche Prävention des Schlaganfalls ist die frühzeitige
Erfassung von gefährdeten Personen. Eine Früherkennung von Risikofaktoren
ist möglich durch Untersuchung des Augenhintergrundes. Erkennt man frühzeitig
Schlaganfall-Risikofaktoren, kann rechtzeitig mit Gegenmaßnahmen begonnen
werden.
| (1) |
Klein
R, Klein EK, Jensen SC, Moss SE, Meuer SM. Retinal Emboli and Stroke.
The Beaver Dam Eye Study. Arch Ophthalmol 1999;117:1063-1068 |
| (2) |
Hubbard
LD, Brothers RJ, King WN, Clegg LX, Klein R, Cooper LS, Sharett
AR, Davis MD, Cai J. Methods for Evaluation of Retinal Microvascular
Abnormalities Associated with Hypertension/ Sclerosis in the Atherosclersis
Risk in Community Study. Ophthalmology 1999;106:2269-2280 |
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